Premiere ist nun Sky: was bedeutet das fuer den deutschen Fussball?
Por Sophie
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Für mich war es eine grosse Überraschung. Ich sass in meinem Zimmer in Paris und erkundigte mich auf der Homepage einer grossen bayrischen Zeitung über die neuesten Ereignisse in Deutschland und der Welt, da sprang mir die Werbung von Sky ins Auge: Sky überträgt nun die Fussball-Bundesliga. Was habe ich verpasst? Warum nicht mehr Premiere? Ist der deutsche Pay-TV-Sender nun endgültig den Bach runter gegangen?

PREMIERE SEIT 1990

Im Vergleich zu anderen europäischen Pay-TV-Sendern war Premiere noch nie besonders erfoglreich. Mit etwas mehr als zwei Millionen Mitgliedern musste sich das Unternehmen hinter dem englischen und italienischen Sky sowie dem spanisch-französischen Canal + verstecken. Immer wieder haben die Deutschen versucht, ähnlich wie ihre europäischen Kollegen, sich über Sport, und da natürlich hauptsächlich Fussball, zu vermarkten und ihren Erfolg zu steigern. Doch das deutsche Fernsehen liess dies nicht zu.

Dafür gab es mehrere Gründe: Die Anzahl an frei empfangbaren Sendern im deutschen Fernsehen ist einfach zu gross. Es besteht also kein Interesse daran sich zusätzlich kostenpflichtiges Fernsehen zuzulegen, wenn man nicht unbedingt alle Blockbuster-Filme und die Formel 1 und Fussball (fast) exklusiv sehen möchte.

MISSERFOLG WEGEN "SPORTSCHAU"

Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender, ARD und ZDF, haben in Deutschland einen Programmauftrag zu erfüllen: Sie müssen umfassend und ausgewogen Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung anbieten und die Interessen der Allgemeinheit abdecken. Um dies zu erbringen müssen die Öffentlich-Rechtlichen Sender natürlich auch Sport und vor allem Fussball übertragen. Dies tut ARD in der „Sportschau“ am Samstag-Abend und ZDF nimmt im „Sportstudio“ auch den Samstags-Spieltag auf. Zwar wird keins der Spiele live übertragen, aber die Deutschen schienen sich in den letzten Jahren damit abgefunden zu haben. Die „Sportschau“ der ARD ist daher auch ein ausschlaggebener Faktor für den Misserfolg von Pay-TV.

Premiere hat schon viele Hoch und Tiefs mitgemacht: Seit der Gründung vor 19 Jahren ist der Dachkonzern des Senders, damals die Kirch-Gruppe, bereits ein Mal Pleite gegangen. Premiere selbst konnte knapp weiter bestehen. Doch hat das Unternehmen ausser im Jahre 2005, als der Börsengang durchgeführt wurde, nie schwarze Zahlen geschrieben.

NUN HEISST PREMIERE SKY

Nun hat die Premiere AG im Mai diesen Jahres bekannt gebeben, dass es Premiere so nicht mehr geben wird und dass es ab dem 4. Juli ein neues Pay-TV-Angebot startet. Die Premiere AG ist nun die Sky Deutschland AG und das Pay-TV-Programm nennt sich Sky Deutschland (es wird auch zusätzlich Sky Österreich geben). Ausschlaggebend für die gesamte Umbenennung, die den Rücklauf an Zuschauern unterbinden soll, war der Grossaktionär von Premiere, Rupert Murdoch, der Medienmogul schlechthi, vor allem im Pay-TV-Bereich. Der Australier ist der Gründer von Sky, womit er in Grossbritannien und Italien Erfolg hat.

WAS BEDEUTET DAS FÜR UNS FUSSBALLFANS?

Die oben genannten „Probleme“ sind ja nun immer noch nicht behoben. Die deutsche Fernsehlandschaft wird sich in nächster Zeit nicht grundlegend verändern. Was kann Sky anders machen? Wie werden sie erfoglreicher als Premiere sein?

Das Eröffnungsspiel der diesjährigen Bundesliga zwischen Wolfsburg und Stuttgart wird beispielsweise in der ARD übertragen. Das Erste hat sich diese Rechte teuer erkauft. Die Öffentlich-Rechtlichen oder andere frei empfangbare Sender werden sich immer wieder andere interessante Spiele einkaufen, z.B. WM 2010-Quali, Champions League und Europa League. Die Deutschen sind also immer noch nicht gezwungen Sky und das Zusatzprogramm Sky Fussball Bundesliga (was immerhin auch nur sechs der neun Partien per Spieltag ausstrahlt) zu kaufen.

Kann der Erfolg den Sky in Grossbritanien und Italien hat auf Deutschland ausweiten? Nicht unbedingt, aber Murdoch möchte sich auch gerne im deutschen Markt ausbreiten. Er ist auf dem besten Weg eine europaweite Marke zu etbalieren und dies könnte helfen die Bekanntheit und das Bewusstsein für dieselbige zu erhöhen.

ALLES WIRD TEURER - WIE SO HÄUFIG IM LEBEN

Hauptsächlich wird Fussball im Pay-TV für den eingefleischten Fussball-Fan aber noch teurer.  32,90€ anstatt 19,90€. Das ist ja nun wirklich das, was wir wollen!?

Bietet uns Sky denn nun technisch Verbesserungen oder was können sie, ausser hohen Preisen? Ich selbst kann mir kein Pay-TV leisten und da ich mich zurzeit im Ausland aufhalte wird sich das in nächster Zeit auch nicht ändern.

Ich gehe davon aus, dass es nun erst mal kaum Veränderungen geben wird. Trotz unzähliger Diskussionen und Spekulationen haben sich die Öffentlich-Rechtlichen immer wieder die Rechte für die Ausstrahlung leisten können (beziehungsweise es irgendwie möglich gemacht). Danke liebe „Sportschau“!

7  Comentários
Por  Mani18
06.08.2009 08:38
Guter Artikel ! Ich denke Du hast das Hauptproblem gut erkannt. In Deutschland reicht es halt fuer den Otto Normalverbraucher die Sportschau zu sehen und nicht jedes Spiel live zu verfolgen. In England ist Sky sehr gross und wahrscheinlich auch deswegen weil die Oeffentlichen Anstalten Fussball erst so um 22:00 bringen. Wer will denn schon so lange warten bis zum Fussball.
Por  Henry01
06.08.2009 08:59
Wenn ich lese das die ARD wieder ein Topspiel uebertraegt, dann freue ich mich ! Ich glaube Fussball muss fuer jeden zugaenglich sein - zumindest teilweise.Es ist ein Volksport und gehoert zum Fernsehangebot dazu.Fuer mich geht das sehr gut zusammen - Fussball und Sportschau !
06.08.2009 09:59
@ Mani: Die Öffentlich-Rechtlichen Sendern sind der Ausschlag für diese Unterschiede, genau richtig. Sollte die BL sich nicht irgendwann entscheiden andere Anstosszeiten anzusetzen (eben auch 22 Uhr z.B., was ja auch mal im Gespräch war) werden wir uns weiterhin alle die Sportschau angucken oder eben ins Stadion gehen, was ja auch keine schlechte Sache ist. @ Henry: Fussball ist mit den Olympischen Spielen ja auch der einzeige Sport, der nach der EU-Fernsehrichtlinie im frei empfangbaren TV gesendet werden muss. Fussball hat also einen ganz ganz hohen Stellenwert.
06.08.2009 18:25
Sehr guter Artikel! Die Entwicklung des Fussballs-sowohl in den Stadien als auch im Fernsehen- ist weg vom Volks- (und Arbeiterklasse-) Sports und hin zum Burgeoisie-Zeitvertreib: Stadienpreise sind immer weniger erschwinglich, Spiele werden nur noch auf Privat- oder Pay-per-View-Sender übertragen etc. Damit hat der Fussball seine traditionelle Funktion als Ventil des einfachen Volkes verloren (ein Punkt, den Raphael Honigstein in seinem Buch "bigger, better, faster, stronger macht). Leider bin ich pessimistisch, dass sich diese Entwicklung in Deutschland lange aufhalten läßt - es ist nur eine Frage der Zeit, bevor sich die Gesetzeslage der EU-Fernserichtlinie und die finanzielle Lage der ARD zu unser aller Ungunsten ändert. Dann haben die Pay-per-View-Sender und Olligarchen-Teambesietzer a la Abramovitch das Lachen, während die Atmosphäre in den Stadien einem Operettenbesuch ähneln wird, mit demselben Publikum, Ticketpreisen und apathischen Besuchern, ohne Enthusiasmus. Na ja: Wir werden immer den Bolzplatz haben! Und Footbo...
09.08.2009 00:27
Was man bei der Diskussion nicht vergessen darf: die deutschen Fans leben - relativ gesehen - im Paradies. Billige Tickets, Sportschau um 18.30h, alle Bundesliga- und CL-Spiele live... Wo gibt's das sonst? Super Artikel, übrigens. Was machst du in Paris, Sophie?
Por  Gizmo5555
10.08.2009 17:46
Sky ist deutlich teurer, und deutlich schlechter als Premiere geworden. Schlechte Bildqualität und eine lispelnde Moderatorin mit der Ausstrahlung einer vertrockneten Blume. Bei über 8 Milliarden!!! GEZ-Gebühren kann man das wohl mindestens verlangen! RTL finanziert sich über Werbung jährlich mit ca. 3,6 Milliarden, noch Fragen? Topfilme, Formel 1, US-Serien, Wer wird Millionär, usw, usw, alles über Privatsender. Sorry, bei "nur" 2-3 Milliarden GEZ-Gebühren würde ich auch sagen "Danke Sportschau", aber so nicht. Aber will hier jetzt keine Diskussion über die Zwangsabgabe GEZ-Gebühren starten, sonst schwillt mir hier gleich der Hals. Eine Sitzplatzkarte mit vernünftiger Aussicht für 35 Euro für 90 Minuten Fussball. Stell mir gerade einen Familienvater vor der das Spiel mit 2 Kindern sehen will. Wenn er gut verdient bringt er 3.000 Euro netto nach Hause. 2x im Monat = 210 Euro plus Essen und Trinken im Stadion. In England und Spanien mit ihren "Superstars", klar das da die Tickets teurer sind. Möchte nicht wissen auf was die Fans da alles im sonstigen privaten Leben verzichten um sich ihren Fussball im Stadion und per Pay TV gönnen zu können. Ehrlich gesagt dann lieber so wie jetzt, keine Megatopstars, dafür aber trotzdem attraktiven Fussball mit Beträgen, die sich einige noch leisten können.
26.08.2009 15:28
Ich finde es immer laecherlich, dass ich in der USA jede Woche zwo bis drei Bundesliga Spiele anschauen kann und nur $30 pro Monat ausgeben muss!
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