Wenige Tage vor dem diesjährigem Champions-League-Finale sah ein spanischer Reporter den Trainer des FC Barcelona Josep Guardiola und verlor die Fassung. „Pep!“, brach es aus dem Journalisten heraus, „wo hast du denn dieses T-Shirt her?“ Aus dem Kleiderschrank, sagte Guardiola und lachte. Der Reporter aber war bedient. Ein gelbes T-Shirt, so kurz vor dem Endspiel!
Guardiolas – durchaus schönes – Shirt war der stärkste Beweis, welchen Sprung der spanische Fußball im zurückliegenden Jahr gemacht hat: Seine Protagonisten haben noch nicht einmal mehr vor der Farbe Gelb Angst. Gelb bringt laut dem spanischen Fußballaberglaube das Pech. Warum, weiß keiner mehr; nur Schalker Fans werden sich wohl ganz sicher sein, dass die Dortmunder Trikotfarbe nun schon europaweit ihr Unwesen treibe.
Dies ist das spanische Jahr des Fußballs, Barca gewann die Champions League, die Nationalelf hört seit ihrem EM-Triumph 2008 gar nicht mehr auf zu gewinnen – und das, obwohl beide Teams gar mit gelben Auswärtstrikots spielen! Man kann das als neue Gelassenheit feiern; ich allerdings trauere dem guten, alten Irrsinn nach. Nachdem der damalige Nationaltrainer Luis Aragonés bei der WM 2006 den Begrüßungsblumenstrauß in den Papierkorb warf, rätselte das Land, ob Luis zeigen wollte, ihm – einem Mann! – schenke man doch keine Blumen; oder ob ihm schlicht die vielen gelben Blumen im Strauß Angst machten. Ich rätsle noch immer. Und denke voller Melancholie an den Trainer Paco Flores, der 2003 mit Real Saragossa aufstieg. Einmal wies Flores die Kellner an, alle Maiskörner aus dem Salat seiner Spieler zu entfernen.Ronnie Reng ist Autor des besten deutschen Fußballbuchs "Der Traumhüter. Die unglaubliche Geschichte eines Torwarts" über den wahren Aufstieg des Kölners Lars Leese aus der Kreisliga in die Premier League