Einen Großteil seines Gehalts als Profifußballer muss Lotfi El Bousidi immer gleich aufessen. Denn er wird auch in Fisch, Steak und Maccaroni bezahlt beim FC Torrevieja in der vierten spanischen Liga, wo Lotfi, ein Mainzer mit marokkanischen Eltern, soeben für eine weitere Saison verlängert hat. Ein spanischer Freund vermittelte ihn vor einem Jahr nach Torrevieja. Weil das Vereinsbudget schon ausgeschöpft war, organisierte der Fanklub kurzerhand Lotfis Gehalt. Es setzt sich neben großzügigem Taschengeld aus zweimal am Tag umsonst Essen im Restaurant Casa del Jamón sowie Wohnen gratis bei einem 70-jährigen Ehepaar zusammen.
Lotfi, der beim FSV Mainz 05 lernte, dort mit den Zweitligaprofis unter Jürgen Klopp trainierte und in der Juniorennationalelf für Marokko spielte, ist die deutsche Ehrenrettung in Spanien: 30 Jahre nach Bernd Schuster endlich einmal wieder so etwas wie ein deutscher Star; wenngleich natürlich ein sehr lokaler. Während Nationalspieler wie David Odonkor oder Timo Hildebrand in Spanien traurige Schicksale erlitten, trumpft Lotfi auf. Nach seinem ersten Tor gab es sogar eine Sonderprämie. Am nächsten Morgen zahlten zwei Fans hinter ihm an der Supermarktkasse spontan seinen Einkauf.
Für Außenstehende mag seine Bezahlung eher karg klingen, doch Lotfi genießt sein Profileben mit einer wunderbaren Freude und Unbeschwertheit. Nur manchmal hat er Probleme, die andere Profis eher selten haben. „Fisch“, rief er eines Mittags im Casa del Jamón beim Blick aufs Menü entsetzt, „ich kann doch nicht immer nur Fisch essen, da sehe ich bald selbst wie einer aus.“
Ronnie Reng ist Autor des besten deutschen Fußball-Buchs „Der Traumhüter“. Das Buch erzählt so wahre wie unglaubliche Geschichte vom Aufstieg des Torwarts Lars Leese aus der Kreisliga Westerwald in die englische Premier League.